20. November 2018Rubrik Peru
Zwischen Fettleibigkeit und Hunger

Ungefähr 795 Millionen Menschen auf der Welt hungern - davon derzeit fast 195 Millionen Kinder im Alter unter fünf Jahren. Zusätzlich leiden weltweit rund 1,2 Milliarden an Mangelernährung.

Zwischen Fettleibigkeit und Hunger

Mangelernährung = „versteckter Hunger“

 

„Eine angemessene Ernährung ist ein Grundbedürfnis aller Menschen. Nur wenn wir unseren Bedarf an ausreichender und ausgewogener Nahrung zu jedem Zeitpunkt decken können, sind die Voraussetzungen für ein gesundes, zufriedenes und menschenwürdiges Leben erfüllt.“[1]

Ungefähr 795 Millionen Menschen auf der Welt hungern – davon derzeit fast 195 Millionen Kinder im Alter unter fünf Jahren. Zusätzlich leiden weltweit rund 1,2 Milliarden an Mangelernährung. Laut dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sterben jeden Tag etwa 8.000 Kinder an den Folgen von Hunger und Mangelernährung – das sind mehr als 2,9 Millionen Kinder pro Jahr. Hunger und Mangelernährung verursachen somit die Hälfte aller Sterbefälle von Kindern weltweit.

Dabei liegt die Hauptursache für Hunger und Mangelernährung nicht einmal darin, dass es zu wenig Nahrungsmittel für alle gibt, sondern an der Armut. Den betroffenen Menschen fehlt das Geld für eine gesunde Ernährung. Armut und Hunger entstehen durch verschiedene Probleme die in einem Land auftreten z.B. Naturkatastrophen, Epidemien, politische Krisen und Konflikte, Korruption usw.

Viele Menschen in Entwicklungsländern haben also schlichtweg keine Möglichkeit, sich gesund und ausgewogen zu ernähren. Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais oder Weizen enthalten zwar genug Energie, sind erschwinglich und machen satt, aber decken nicht das ganze Spektrum an Nährstoffen ab, die jeder Mensch benötigt. Mangelernährung wird deshalb oft auch als 'versteckter Hunger' bezeichnet.

Wer also nur leicht und schnell verdaubare Kohlenhydrate – z. B. Weißmehlprodukte, am besten in Kombination mit Fett – als „leere“ Kalorien konsumiert, ist oft trotz Armut von Fettleibigkeit betroffen. Das Gewicht steigt stetig, der gesunde Ernährungsstatus sinkt. Dieses Phänomen haben wir oft schon in Peru erlebt.

Unzureichende Nahrung im Kindesalter kann die kognitiven Leistungen (Denk-, Wahrnehmungs- und Lernleistungen) Heranwachsender dauerhaft einschränken. Das bedeutet aber nicht, dass Mangelernährung zu irreparablen Hirnschäden führt. Diese Auswirkungen können durch die richtige Ernährung schnell wieder gemildert werden.
Trotzdem hat Unterernährung für Kinder schlimme, oft bleibende Folgen. Sie magern nicht nur extrem ab, sondern werden auch anfälliger für Infektionen und Krankheiten. Im schlimmsten Falle sterben sie daran. Besonders gefährdet sind sie in den ersten Jahren ihres jungen Lebens. Da der Körper sich in dieser Zeit rasch entwickelt, sind regelmäßige Mahlzeiten mit ausreichenden Nährstoffen und Flüssigkeit, lebensnotwendig.

Außerdem werden unter- oder mangelernährte Kinder oft nicht ihrem Alter entsprechend behandelt. Durch die falsche Ernährung sind sie besonders klein und schmächtig und werden daher von Erwachsenen oft als Kleinkinder wahrgenommen. D.h. sie werden nicht ihrem Alter entsprechend gefordert und gefördert, erwerben einen geringeren Wortschatz und sind unselbstständiger als andere Kinder in ihrem Alter

Hunger und Fehlernährung wirkt sich nicht nur gesundheitlich aus, sondern hat auch wirtschaftliche Folgen für die Familien. Die Familien müssen an wichtigen und längerfristigen Existenzgrundlagen wie Bildung und Gesundheit sparen, um kurzfristig ihre Ernährung sicherzustellen. Oft sind sie in schweren Zeiten dazu gezwungen, die wenigen Sachen die sie noch besitzen (Haushaltsgeräte, Vieh) zu verkaufen um irgendwie an Geld für Nahrung zu kommen. So rutschen Menschen noch weiter in Armut ab.

Es ist also wie eine Abwärtsspirale aus der diese Menschen nicht ohne Hilfe rauskommen. Deshalb versuchen wir als Kinderwerk z.B. durch die Kinderspeisung den Kindern die Näherstoffe zu geben die jeder Mensch braucht. An einigen Ausgabestellen der Kinderspeisung haben wir begonnen, das Frühstück umzustellen. Anstatt heißer Milch mit Haferflocken und Brötchen gibt es eine Frucht, ein Getränk, ein Vollkornbrötchen und ein hartgekochtes Ei. Neben unserer Kinderspeisung bekommen auch die Kinder auf unseren Schulen jeden Tag ein ausgewogenes und nährstoffreiches Mittagessen welches mit Hilfe einer Ernährungsberaterin zusammengestellt worden ist. Außerdem bieten wir Kochkurse für die Eltern an, damit diese lernen wie man trotz wenigen Mitteln ein gesundes und Näherstoffreiches Essen zubereiten kann.

 

Zu diesem Thema finden Sie auch einen Artikel in unserem neuen Rundbrief.

 

 

 


[1] Weingärtner, Lioba: „Hunger und Fehlernährung“, unter: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/welternaehrung/178484/hunger-und-fehlernaehrung (abgerufen am 15.11.2018)