25. Juni 2018Rubrik Paraguay
Drei Momente in der Gemeinde - Gemeindearbeit in Paraguay

Horst-Uwe Bergen ist Vorsitzender des Verwaltungsrates der Johannes-Gutenberg-Schule in Paraguay. Daneben ist er für die drei Kirchengemeinden der Schulen in Asunción, Santaní und Campo 9 verantwortlich.

 

 

Horst-Uwe, bist du studierter Pastor?

Nein, nicht in diesem Sinn. Ich habe zuerst sechs Jahre Psychologie studiert und dann in den USA meinen dreijährigen Master in Theologie gemacht. Danach kehrte ich zurück nach Paraguay und war 22 Jahre lang Pastor in einer deutschen und danach in einer spanischen Gemeinde.

 

 

 

Warum ladet ihr die Leute neben der Schule auch noch zur Kirche ein?  

Das Ziel der Schule ist, vor allem Kindern aus bedürftigen Verhältnissen eine gute Schulbildung zu vermitteln. Aber das allein wäre zu wenig. Wir möchten ihnen auch Werte für ihr Leben mitgeben. Unserer Meinung nach ist das Evangelium von Jesus Christus die beste Orientierungshilfe, die man sich vorstellen kann.

Die täglichen Morgenandachten für die Schüler und die kurzen geistlichen Impulse bei den Elternabenden reichen Vielen nicht aus. Sie möchten mehr erfahren über die Liebe Gottes und seine Einladung an uns. Deshalb kommen sie sonntags zum Gottesdienst. In Asunción begannen wir 2010, die Schulgemeinde „La Mies“ zu gründen. Danach folgten Santaní und Campo 9. Auch in „Estanzuela“, der neuen (vierten) Gutenberg-Schule am Stadtrand Asuncións, haben wir dieses Jahr mit einem Gemeindegründungsprojekt angefangen.

Bei uns in Europa können viele Menschen mit „Kirche“ gar nichts mehr anfangen. Bei Euch in Paraguay ist das anders?

Zumindest haben viele Paraguayer traditionell einen christlichen Hintergrund und stehen Glaubensdingen offen gegenüber.  Ich denke, wir haben als Schule aber auch eine besondere Situation. Die Eltern sehen, wie ihre Kinder durch den Einfluss der Schule aufblühen und sich positiv verändern.  Sie kennen die Räumlichkeiten von den ganzen Elterntreffen. Als Gemeinde haben wir ja kein Kirchengebäude, sondern treffen uns in der großen Aula der Schule, da ist die Hemmschwelle für einen Gottesdienstbesuch gleich geringer. Wenn die Leute die Gemeinde positiv erleben, spricht sich das im Familien- und Freundeskreisen herum.

Reicht es nicht, dass die Leute allein Zuhause glauben? Zu was braucht es da eine Kirche?

Über 50 Prozent unserer Schüler kommen aus kaputten Familienverhältnissen. Sie brauchen intensive Hilfe und Beratung. In unserer Gemeinde bieten wir ganz viele Kurse speziell zu den Bereichen Familie und Erziehung an. Wir wollen Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme an die Hand geben. Das kommt gut an. Das würde nicht gehen, wenn jeder nur alleine Zuhause sitzt. Durch die Gemeinschaft untereinander können wir uns gegenseitig ermutigen.

Wie viele Leute kommen so in Eure Gottesdienste?

In Asunción kommen nun nach sieben Jahren durchschnittlich 120 Besucher. In Santaní und Campo 9 sind wir jetzt sechs Jahre unterwegs. Dort kommen jeweils ungefähr 60-70 Menschen in die Gottesdienste. An Festtagen sind es natürlich mehr, das variiert auch etwas. Aber das sind ja nur die Leute, die am Sonntag kommen…

 

Ihr trefft Euch also nicht nur sonntags?

Nein, das wäre zu wenig. Mein Leben mit Jesus muss ja vor allem Montag bis Samstag stattfinden, wenn ich mit meinen ganzen Alltagsproblemen konfrontiert bin. Deshalb haben wir in unserer Gemeinde die „Drei Momenten“:

  1. Am Sonntagmorgen gibt es um 8:30 Uhr eine Stunde Gottesdienst mit viel singen, feiern, Gebet und einer biblischen Predigt.
  2. Dann direkt im Anschluss gibt es eine Stunde Bibelgespräch in kleinen Gruppen. Da arbeiten wir oft auch fortlaufende Kurse durch zu Ehe- Familienfragen.
  3. Unter der Woche treffen sich die Gemeindeglieder in Kleingruppen zu Hause und sprechen noch einmal über die Sonntagspredigt. Dabei sollen sie Zeit füreinander haben und auch neue Leute in die Gruppe einladen.

Zusätzlich gibt es samstags Programme für Kinder, Jugendliche, Eltern und Ehepaare.

 

 

 

 

Hat jede Gemeinde einen hauptberuflichen Pastor?

Inzwischen ja. Allerdings arbeiten alle Pastoren noch zu etwa 20 Prozent in der Schule mit. Jede Gemeinde hat neben dem Pastor auch noch eine Teilzeit-Sekretärin und eine Art Küster angestellt. Gerade weil es gemietete Räume der Schule sind, ist es wichtig, dass sich jemand um die Sauberkeit und Ordnung vor und nach den Zusammenkünften kümmert. Die Gehälter und alle übrigen Kosten bringen die Gemeinden durch ihre Spenden auf. Wir möchten gerne, dass die Gemeinden so weit wie möglich unabhängig von den Schulen sind. 

Wir arbeiten auch sehr daran, dass die Gemeindeglieder lernen, selbst den Zehnten zu geben und  Rücklagen zu bilden. In Santaní und Campo 9 entschieden die Gemeinden, dass sie jeden Monat zehn Prozent ihrer Spenden weitergeben an soziale Projekte. Weitere zehn Prozent legen sie in eine Sparkasse. Wer weiß, vielleicht können sie sich eines Tages ein eigenes Gebäude außerhalb der Schule leisten.

 

Was erhoffst du dir für die Zukunft von den „La Mies“ Gemeinden?

Wir möchten den Menschen ganzheitlich helfen. Die Gemeinde wächst nur in einer gesunden Weise, wenn der Glaube auch Antworten auf die Alltagssorgen der Menschen gibt. Wir wünschen uns, dass noch viele Familien positiv verändert werden.

Vielen Dank für das Gespräch.