29. April 2016
Schule des Kinderwerkes in Huanta

Heber Berrocal, Direktor der Gutenberg-Schule, stammt selbst aus Huanta. Von Kind auf hat er erlebt, wie sehr die Drogen das Leben der Menschen in der Region bestimmt. Als Direktor will er darauf hinarbeiten, dass die Jugendlichen nach ihrem Schulabschluss einmal nicht darauf angewiesen sind, im Drogengeschäft zu arbeiten.

„Unsere Schüler sollen einmal einen Beruf finden, mit dem sie auch durch ehrliche Arbeit gut verdienen und eine Familie ernähren können. Sie sollen einmal einen wichtigen  Teil zum positiven Wandel der Gesellschaft hier beitragen.  2017 werden wir die erste Abgangsschüler (Klasse 11) haben.  Sie bekommen nicht einfach nur ein Zeugnis in die Hand, sondern die Schüler aus dem Fachbereich „Informatik“ werden schon recht fortgeschrittene Computer-Kenntnisse haben. Auch in Huanta haben wir Internet. In der Stadt hat so gut wie jedes Haus einen PC. In den Außenorten und auf den Höfen sieht es anders aus, aber hier im Hauptort denke ich, ist das so. Auch in den kleinen Geschäften und in den anderen Schulen hier stehen Computer. Das heißt, sie alle haben Bedarf an Leuten, die ihnen die Rechenmaschinen reparieren, updaten und neu einrichten. Das wird unseren Schülern schon mal ermöglichen, Einkünfte zu erzielen und sich im Nebenerwerb selbständig zu machen. Gerade jetzt mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 kenne ich viele Leute die händeringend nach einem Fachmann  suchen.

Auch unser Fachbereich „Nahrungsmittelherstellung und Ernährungslehre“ wird den Schülern Verdienstmöglichkeiten auftun. Wir haben hier auf dem Schulgelände inzwischen recht große Pflanzungen von Bäumen und Sträuchern der Region, deren Früchte die Schüler gelernt haben zu Lebensmitteln zu verarbeiten. Dazu gehört auch unsere Meerschweinchen- und Schafzucht, mittels der die Schüler die Grundzüge der Fleischverarbeitung gelernt haben. Der ein oder andere könnte durchaus einmal eine Metzgerei aufmachen. Dort würde es dann Fleisch zu kaufen geben, das nach hohen hygienischen Standards verarbeitet wurde. Heute kaufen die meisten Einwohner Huantas ihr Fleisch noch auf dem Wochenmarkt, wo es oft ungekühlt viele Stunden den Fliegen als Futter dient. Fleisch das sauber abgepackt in gekühlten Truhen verkauft wird, wie es sonst nur die guten Geschäfte in Lima bieten, das würde hier sicher einen Markt finden.

 

Wir sagen den Jugendlichen, dass sie nicht nur irgendeine Sache anbieten sollen, die schon jeder kennt, sondern das was sie zu bieten haben, soll sich in Qualität und Service vom bisher Bekannten abheben. Wir Lehrer aus Huanta sind ja regelmäßig in der Gutenberg-Schule in Lima zu Fortbildungen. Wir staunten nicht schlecht, als wir sahen, was die Schüler dort in ihren Schülerfirmen herstellen und dann richtig auf dem Markt verkaufen. Da sind echt gute Sachen dabei. Das berichten wir unseren Schülern hier. Sie sollen ins Träumen kommen darüber, was man alles erreichen kann.  

 

Will man Erfolg haben, muss man seine Produkte auch richtig darstellen und präsentieren. Wir üben das mit den Schülern im Unterricht: Wie musst du dein Produkt anbieten, damit es die Leute interessiert? Die Schüler üben in Vorträgen vor der Klasse und dem Lehrerkollegium eine Sache Vorzustellen und zu erklären. Das hat übrigens inzwischen dazu geführt, dass die Marke „Johannes-Gutenberg“ in Huanta einen sehr guten Ruf hat. Seit vergangenem Jahr haben wir mehr Anfragen als wir Plätze haben. Die Leute sind beeindruckt davon, dass sich unsere Schüler ausdrücken können, etwas erklären können. Sie sagen dann: Wow, sind die gebildet!

 

Kürzlich arbeiteten einige Handwerker hier auf dem Nachbargrundstück der Schule. Eines Tages winkte einer der Arbeiter über den Zaun hinweg unseren Hausmeister zu sich. Er sagte: `Hast du ein Glück, in so einer tollen Schule zu arbeiten. Drei eurer Schüler kommen morgens hier vorbei. Sie grüßen uns jedes Mal mit so einer fröhlichen und lauten Stimme, das haben wir selten erlebt. Was macht ihr mit euren Schülern, dass sie so anders sind als ihre Alterskameraden?´

 

Oder ein Bekannter aus dem Ort sprach mich neulich an und berichtete: `Ich habe einen 12-jährigen Jungen aus meiner Nachbarschaft gebeten, mir am Wochenende zu helfen, die Mauer zu streichen. Ich sagte, dass wir um 8.00 Uhr anfangen. Ich traute meinen Augen kaum, als er 7.45 Uhr bei mir auf dem Hof stand. Er sagte: Herr Nachbar, ich komme 15 Minuten früher, damit wir pünktlich anfangen können. Ich machte große Augen und erfuhr: Er ist ein Gutenberg-Schüler.´

 

Ich sage das natürlich auch mit etwas Stolz auf meine Schüler, aber ich möchte es auch zur Ehre Gottes sagen: Gott arbeitet in den Herzen der Kinder. Und auch in den Herzen von uns Lehrern.“

 

 

 

 

 

 

 

Heber Berrocal.

 

 

 

Lesen sie in unserem Infoheft Juni 2016 (ab Ende Mai hier zum Download), wie die Gutenberg-Schule in Huanta es schafft, in einem unsicheren Umfeld von Drogen und Kriminalität,  mit Eltern und Schülern über Glaubensfragen ins Gespräch zu kommen.