5. Juli 2016Rubrik Burundi
Das Kinderwerk Lima in Afrika?

Vor zwei Jahren kam das Kinderwerk in Kontakt mit Christen aus Burundi/Afrika. Erstaunt stellen die Verantwortlichen in Deutschland und der Schweiz fest, dass dort seit zehn Jahren eine Arbeit existiert, die den Projekten des Kinderwerkes in Peru und Paraguay fast bis ins Detail ähnelt:

Schule für bedürftige Kinder, Hilfe für deren Familien, eine Kinderspeisung. Das Ganze kombiniert mit Andachten, Gottesdiensten und einer großen evangelistischen Arbeit. „Es war fast so, als hätte man die DNA des Kinderwerkes nach Afrika kopiert“, sagt Missionsleiter Imanuel Kögler.

Einen gravierenden Unterschied gab es jedoch: Im Mai 2014 gab es einen Putschversuch in Burundi. Er wurde blutig niedergeschlagen und seitdem bewegt sich das kleine Land im Herzen Afrikas am Abgrund zu einem neuen Bürgerkrieg. Es gibt Attentate auf Regierungsangehörige und Säuberungsaktionen der Militärpolizei. Schon einmal, 1993, gab es in Ruanda und Burundi große Pogrome zwischen verfeindeten Volksgruppen der Hutu und Tutsi.  Im Nachbarland Ruanda kamen binnen eines Jahres eine Million Menschen zu Tode, in Burundi zog sich das furchtbare Töten über 15 Jahre und forderte mindesten 300.000 Opfer. Im aktuellen Konflikt spricht man von bis 1000 Toten und die Angst ist groß, dass es wieder zu einem Genozid kommen könnte. So gut wie alle Hilfsorganisationen und Missionen haben ihre westlichen Mitarbeiter aus Burundi abgezogen. Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten stellten ihre Entwicklungshilfe ein, was den Staatshaushalt um 50 Prozent einbrechen ließ.

Unter diesen Begleitumständen reisten Missionsleiter Imanuel Kögler und verschiedene Verantwortlichen des Kinderwerkes die letzten beiden Jahre drei Mal nach Burundi. Dieses Jahr im Mai wurde ein offizieller Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.

 

Herr Kögler, ist es nicht unvernünftig in dieser unsicheren Situation eine Arbeit in Burundi anzufangen?

Ja, ein Risiko ist es allemal. Aber jedes Mal wenn ich in Burundi war, sagten mit die burundischen Partner, dass es ihnen unglaublich viel bedeute, dass in dieser schwierigen Situation jemand zu ihnen kommt und Hilfe anbietet damit es weiter gehen kann.

 

Warum will das Kinderwerk nach Afrika? Gibt es in Südamerika nicht mehr genug zu tun?

Nein, ganz im Gegenteil: Die Arbeit in Peru und Paraguay soll ausgebaut werden, aber gleichzeitig sollen einheimische Christen und Gemeinden jedes Jahr etwas mehr (finanzielle) Lasten übernehmen. Die frei werdenden Mittel möchten wir gerne für diese junge Arbeit in Burundi verwenden. Afrika braucht mehr Hilfe – auch vor dem Hintergrund der vielen Afrikaner die derzeit aus Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu uns kommen.

 

Wie will das Kinderwerk garantieren, dass seine Hilfsgelder nicht in dunklen Kanälen versickern?

Das war eine der Fragen, die wir ausführlich bewegt haben und wir waren überrascht, wie Gott sie gelöst hat: Schon seit 13 Jahren arbeitet ein mennonitischer Missionar aus Kanada in der Region. Wir trafen ihn „zufällig“ in Burundi und stellten fest, dass er unsere mennonitischen Partner in Paraguay kennt – es sind Verwandte seiner Familie. Dazu sandte seine Missionsgesellschaft ohne unser Zutun einen zweiten Missionar aus Kanada, der seinen Job bei einer Steuerberatungsfirma an den Nagel hängte, um nun bei unserer burundischen Mission als Buchhalter zu arbeiten. Sämtliche Ein- und Auszahlung der kommenden vier Jahre laufen über seinen Schreibtisch. Als wir das sahen, sagten wir uns: Mehr können wir von Gott vorerst nicht verlangen!

 

Hier hat das Kinderwerk bereits kurzfristig geholfen

-> „Harvest Initatives Burundi“, die Partnerorganisation im Land, hat in der Provinzhauptstadt Muramvya eine Grundschule für 300 Kinder gebaut - eine einfache Konstruktion aus Lehmziegeln mit Blechdach. Für das neue Schuljahr ab September übernimmt das Kinderwerk die Gehälter der 12 Lehrer.

 

 

-> Burundi ist derzeit das ärmste Land der Welt. Unglaubliche 57 Prozent der Kinder unter 5 Jahren sind wegen Mangelernährung unterentwickelt. In den vergangenen drei Jahren wurden an fünf Standorten Kinderspeisungen ins Leben gerufen. Das Kinderwerk übernimmt die Kosten für die Kinderspeisung in der Kleinstadt Busiga.

Die notwendigen 19.300 US-Dollar für die beiden Projekte bekamen wir von einer Stiftung zugesagt.

 

 

 

 

Hier könnte das Kinderwerk in Zukunft helfen:

  • Wir würden gerne beim weiteren Ausbau der Schule helfen.
  • Wir würden gerne einen erfahrenen Pädagogen nach Burundi senden, der die Lehrpläne der Schule erstellt und Lehrer schult.
  • Wir würden gerne bei den Dorfentwicklungs-Projekten für die vernachlässigte Volksgruppe der Batwa helfen (Hilfe beim Hüttenbau, Verteilung von Saatgut, medizinische Versorgung).
  • Wir würden gerne Menschen in Deutschland und der Schweiz zum Gebet für dieses geschundene Land ermutigen.

In den kommenden Infobriefen möchten wir mehr Details über die einzelnen Arbeitszweige berichten. Beachten Sie auch unsere weitere Meldung mit der Ausschreibung für einen erfahrenen Pädagogen.

 

 

Burundi – Zahlen, Fakten, Daten

 

Die Republik Burundi liegt zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Tansania.

- Einwohner: ca. 11 Mio.

- Fläche: 27,8 km2 (zum Vergleich Schweiz: 41,2 km2)

- Hauptstadt: Bujumbura (0,8 Mio. Einwohner)

- Sprache: Kirundi, Französisch

- Währung: Burundi Franc

- Anteil Armer an Gesamtbevölkerung: 68%

- Analphabeten: 41 %

- durchschnittl. Lebenserwartung: 50 Jahre